Härtling


Lesar(z)t

Amtsarzt’ Lesereise


Denken in Schichten - Der renommierte Schriftsteller Peter Härtling besuchte den Rhein-Kreis Neuss.

Am Mittwoch, den 5. April 2006, pünktlich um 15:00 Uhr, traf einer der  bekanntesten Schriftsteller im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des  Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss ein. Peter Härtling war der Einladung des Gesundheitsamtes gefolgt und wurde dort von der Leiterin Frau Dr. Beate Klapdor-Volmar und Herrn Karsten Mankowsky als Gesundheitsdezernent begrüßt.

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Mit 14 Jahren begann Härtling zu schreiben, 60 Werke hat er bislang  veröffentlicht. Mit den wartenden Kindern fühlte er sich schnell  verbunden und beantwortete bereitwillig deren Fragen. Woran sind die Eltern gestorben (Vater starb in Kriegsgefangenschaft, Mutter beging  Selbstmord)? Entsprechend die Figuren in den Büchern realen Personen  (Ja)? Wovon handelt Ihr neues Buch (Dies möchte ich noch nicht erzählen, denn ich bin abergläubig)? Abschließend verriet der Schriftsteller aber, wie er seine Gedanken zu Papier bringt: Zunächst wird die  historische Schreibmaschine bemüht, anschließend wird jedes Blatt durchgelesen und der korrigierte Text handschriftlich festgehalten, dann erst diktiert Härtling seine Ausführungen auf Band, um diese von seiner Frau per Computer eingeben zu lassen. Denken in Schichten“ so heißt seine Strategie, wenn es beispielweise darum geht, sich in die Rollen bestimmter Zielgruppen seiner Bücher zu versetzen. Kinder könne man beispielsweise nur erreichen, wenn man sich der Erstmalig- und Einmaligkeit kindlichen Handelns bewusst sei.

Am Abend war Härtling in Grevenbroich zu Gast. Im Stadtmuseum las er nach  der Begrüßung durch den Leiter des Fachbereiches Kultur der Stadt Grevenbroich Herrn Robert Jordan und Dr. Dörr aus seinem letzten Werk  “Die Lebenslinie” vor. Stets befand er sich zwischen den medizinischen Fronten: den von ihm titulierten “Bypass-Artisten” und “Stent-Künstler” . Beide bemühten sich gleichermaßen um Härtling, nachdem er zunächst einen Herzinfarkt später einen Schlaganfall erlitt.

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Rund 40 Zuhörer folgten aufmerksam den vorgelesenen Erfahrungen des Autors zu Krankheiten und Therapeuten. Beeindruckend waren auch die ergänzenden Ausführungen über die Suche nach dem Grab des Vaters in der Nähe von Zwettl/ Niederösterreich, die letztlich erfolglos blieb.
Durchleben Sie dies nicht bei jedem Erinnern und jeder Lesung neu ? so lautete eine der vielen Fragen aus dem Auditorium. “Dies lässt sich nicht leugnen.  Andererseits wird diese bittere Erfahrung durch viele andere positive  Ereignisse aus meinem Leben, über die ich ebenfalls berichte, wieder aufgehoben.”, so der 73-jährige Autor, den man so schnell nicht gehen ließ - musste er doch anschließend noch zahlreiche Bücher signieren.

Härtling ist nach Professor Uhlenbruck der zweite Schriftsteller, der auf die  Schlaganfallkampagne des Rhein-Kreises Neuss aufmerksam macht und für ein schnelles Handeln bei ersten Warnsymptomen wie Sprachproblemen, Sehstörungen, Lähmungen oder Missempfindungen plädiert.